Meerschweinchennachwuchs

Meerschweinchennachwuchs

 

Bevor man sich entschließt Nachwuchs haben zu wollen, sollte man sich sicher sein, dass man den Nachwuchs behalten oder in wirklich gute Hände abgeben kann (auch wenn evtl. 6 männliche Babys geboren werden!!).

Gute Hände bedeutet nicht das Abgeben der Babys in irgendein Zoogeschäft!! 

Erste und wichtigste Voraussetzung für das Verpaaren von Meerschweinchen ist, dass beide Elterntiere gesund und kräftig sind und keine Krankheiten weitervererben. Grundsätzlich sollte man ohne genaues Fachwissen keine Geschwister miteinander verpaaren und auch keine Eltern mit Kindern.  Beim ersten Wurf darf das Meer-schweinchen nicht älter als 10 Monate sein und es darf auch keine Pause von mehr als 10 Monaten zwischen zwei Schwangerschaften liegen, denn das elastische Beckenband verliert mit der Zeit an Elastizität. Werden die Fristen überschritten, könnte eine Schwangerschaft zum Steckenbleiben der Föten und Brechen des Beckens führen. Das Weibchen sollte nicht jünger als 6 Monate sein, um Wachs-tumsstörungen auszuschließen, außerdem sind die Weibchen bei zu frühen Verpaar-ungen unter Umständen mit dem Werfen und Aufziehen der Babys überfordert. 

Ein Männchen aus einer bestehenden Böckchengruppe, das einmal deckt, lässt sich oft nicht wieder in seine Böckchengruppe integrieren. Er müsste dann entweder mit einem Babybock oder Frühkastraten vergesellschaftet werden, oder sogar kastriert werden und der Familie zugesellt werden, denn Einzelhaft ist auch für Deckböcke Tierquälerei.               

 

Es kann zu Komplikationen während und nach der Schwangerschaft kommen - sind Sie bereit die evtl. hohen Tierarztkosten zu tragen? Sollte ein Kaiserschnitt von Nöten sein, muss man mit kosten um die 200€ rechnen. Einige Schwanger-schaften enden sogar tödlich. Das Weibchen ist direkt nach der Geburt wieder paarungsbereit. Der Bock sollte also schon mindestens 4 Wochen vorher kastriert worden sein oder er muss kurz vor der Geburt rausgesetzt werden, natürlich nicht in Einzelhaft.

 

Paarung

Ca. alle 14 -16 Tage ist das Meerschweinchenweibchen aufnahmebereit, der Bock umwirbt sein Weibchen mit wiegenden Schritten und lautem Brommseln, ist sie aufnahmebereit und hebt ihren Po an, wird er aufreiten und spätestens ab da gibt’s kein Zurück mehr und die Babys sind unterwegs. Zwischen einem Wurf und dem erneuten Eindecken sollte ein Mindestabstand von 4 Monaten nach Absatz der Babys liegen, damit das Weibchen sich von der anstrengenden Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht erholen kann und ein Höchstabstand von 8 Monaten. Nach 4 Würfen sollte ein Meerschweinchen-weibchen in Rente gehen dürfen und von der Zucht befreit werden. 

 

Schwangerschaft

Die Tragzeit beträgt ca. 68 Tage. Ein schwangeres Meerschweinchen sollte man nur sehr vorsichtig hochnehmen. Meerschweinchenmütter haben einen erhöhten Eiweiß- Mineral- und Vitaminbedarf, und brauchen deshalb eine Kost mit viel Grünfutter, etwas mehr Trockenfutter. Bitte achten Sie auf eine vitaminreiche Ernährung!  Umzug und Wechsel der Käfiggenossen sollte während der Spät-schwangerschaft vermieden werden.

 

Geburt

Lassen Sie die junge Mutter bei ihren Käfiggenossen, auch der kastrierte Vater darf bei der Geburt dabeibleiben. Kurz vor der Geburt sucht sich das Weibchen eine ruhige Stelle im Gehege, sie bekommt die Jungen im Sitzen, jedes Einzelne wird von ihr in Empfang genommen, abgenabelt und von der Eihaut befreit. Diese wird, genau wie die Nachgeburt, zum Schluss gefressen. Es können 1 - 6 (selten auch mal mehr) Jungen geboren werden. 

 

Entwicklung der Jungen

Die Jungen kommen voll entwickelt zur Welt. Bereits wenige Stunden nach der Geburt wuseln sie durch ihren Käfig und fangen auch schon an, zaghaft an Heu-halmen oder Frischfutter zu naschen. Neugeborene wiegen zwischen 60 und 130 g, bis zu einem Alter von 6 Wochen nehmen sie täglich etwa 3 - 10 g zu. Wobei es ganz normal ist, wenn die Babys die ersten 3-4 Tagen abnehmen, bevor das Gewicht kontinuierlich steigt. Wiegen Sie die Babys regelmäßig, überprüfen Sie ihre Aus-scheidungen, ein Gewichtsverlust weist auf Krankheiten hin. Die Jungen werden ca. 3 - 4 Wochen gesäugt. Mit ca. 4 Wochen sind die Meerschweinchen geschlechtsreif, mit ca. einem Jahr sind sie ausgewachsen. Ab der vollendeten 4.ten Lebenswoche dürfen die Babys dann auch in ein neues Zuhause ziehen. Am besten mit oder zu einem etwas älteren Partner, von dem die soziale Kompetenz zu erlernen ist. 

 

Zu beachten wäre noch:

Böckchen sollten etwa mit 3-4 Wochen und 300g von der Mutter und den Schwestern getrennt oder besser frühkastriert werden. Hierbei ist der Stand der Hoden entscheidend.

Am Anfang sollte man die Jungen vorsichtig an Grünfutter heranführen, besonders Gurke und ähnlich stark wasserhaltige Gemüsesorten könnten sonst evtl. zu lebensbedrohlichem Durchfall führen.  Lebensnotwendig für die Jungen ist auch das Fressen des Blinddarmkots der Mutter. Im Blinddarm bilden Meerschweinchen die Vitamine des B-Komplexes, und Babys können das selbst noch nicht.

 

Aufzucht mutterloser Babys

Haben Jungtiere tragischerweise ihre Mutter verloren, oder werden von ihr nicht angenommen bzw. diese keine Milch hat, muss rasche Abhilfe geschaffen werden.

 

Sehr wichtig sind Wärme und Flüssigkeitszufuhr. Babys mit Flüssigkeitsmangel zeigen oft ein fettig strähniges Fell. Solange die Jungen noch zu schwach zum Herumlaufen sind, sollte man sie auf eine Wärmflasche oder Snuggle Safe betten. Rotlicht ist auch geeignet, trocknet aber ziemlich rasch aus, weshalb man es nur in kürzeren Zeit-spannen einschalten sollte.

 

Solange man noch keine geeignete Ersatznahrung zur Hand hat, kann man mittels Pipette oder l ml Spritze etwas lauwarmen Fenchel- oder Kamillentee oder ein lauwarmes Wasser / Kondensmilch - Gemisch im Verhältnis 4:1 verabreichen. Damit wird die Verdauung schon mal angeregt und einem drohenden Flüssigkeitsmangel entgegengewirkt. Keine normale Kuhmilch verwenden! Für die Aufzucht eignet sich z.B. Katzen Aufzuchtmilch, Lämmermilch oder auch Humana Heilnahrung in Pulverform, die man mit warmen Wasser anrührt. Als zusätzliche Energiequelle kann man noch etwas Hafer - Schmelzflocken hinein rühren und 2 x täglich 1 Tropfen eines Vitaminpräparates, welches insbesondere Vitamin C und Vitamin B- Komplex enthält. Die Mahlzeiten bitte stets frisch zubereiten. Die Jungen müssen in den ersten 14 Tagen ca. alle 2Std. gefüttert werden. Nachts kann man notfalls auf 4 stündliche Gaben ausdehnen. Die Zufütterung sollte mindestens 3 - 4 Wochen fortgeführt werden, d.h. solange, bis die Kleinen selbstständig alles ausreichend mitfressen und gut zunehmen. Sind die Babys 2 Wochen alt und entwickeln sich gut, können die Abstände zwischen den Fütterungen vergrößert werden auf alle 2 - 3 Std. mit ca. 6 stündiger Nachtruhe. Man kann den Jungen pro Mahlzeit so viel füttern, bis sie selbst signalisieren, dass sie satt sind. Die Milch muss langsam eingeflößt werden, damit sie sich nicht verschlucken. Die Kleinen lernen sehr schnell aus der Spritze zu trinken und sind nachher regelrecht fixiert darauf. Um die Verdauung und die Ausscheidung anzuregen, müssen nach jeder Mahlzeit die Bauch- und die Afterregion sanft massiert werden (z.B. mit einem feuchtwarmen Tuchzipfel). Sobald die Jungen etwas selbständiger geworden sind, kann man versuchen, ihnen ihre Ersatzmilch aus Schälchen zu reichen.

 

Die Darmflora der Babys muss sich erst noch aufbauen. Dies geschieht unter normalen Umständen durch die Muttermilch und durch Aufnahme von Blindarmkot aus dem After der Mutter. Unsere von Hand aufgezogenen Jungen sind daher anfälliger für Verdauungsstörungen inkl. Blähbauch. Es ist ratsam, ihnen täglich etwas Kot von gesunden MS aufzulösen und einzugeben, um ihnen damit wichtige Enzyme für eine gesunde Verdauung und Entwicklung zuzuführen. Alternativ dazu kann man aber auch eine geeignete Bakterien Suspension vom Tierarzt besorgen und nach Anweisung eingeben.

 

Die Jungen sollten nicht allein gehalten werden, sondern immer zusammen mit Artgenossen, da sie so wesentlich schneller lernen alles zu fressen und ihr Sozialverhalten trainiert wird. Auch schauen sich die Jungtiere von den erwachsenen was alles fressbar ist.

 

Leider gelingt die Handaufzucht nicht immer, besonders dann nicht, wenn die Jungen bei der Geburt noch zu schwach oder unreif sind, bzw. durch eine Erkrankung des Muttertieres bereits vorgeschädigt waren. Wenn die Jungen etwas zu früh geboren wurden oder die Lunge noch nicht voll ausgereift war, kann bei ihnen der Schluckreflex gestört sein und/oder der Saugreflex fehlen. Man kann bei der Fütterung beobachten, dass die verabreichte Milch aus der Nase wieder herausläuft und den Jungen droht Aspiration mit Lungenentzündung. Solche Jungen sind in der Regel nicht zu retten, auch wenn sie noch so großen Lebenswillen zeigen.

 

 

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